Debatte

Sollen öffentliche Fördermittel (Wohnbauförderung, Wirtschaftsförderung etc.) auf die Dorf- und Stadtzentren konzentriert und öffentliche Einrichtungen nur noch an zentralen Standorten errichtet werden?

Kommentare von Günter Kobert, Baukulturkoordinator des Landes Steiermark, Michael Roth, Bundeskanzleramt, Abteilung Raumordnung, Rudolf Scheuvens, TU Wien, Inst. für örtliche Raumplanung und Ulrike Böker, Bürgermeisterin von Ottensheim.
Österreich ist das Land der “Häuselbauer“. Nirgendwo in Europa entsteht auf so großen Grundstücken so wenig Wohnfläche. Die extensive Bebauung führt zu immens langen Wegen und somit zu erhöhter Verkehrsbelastung, die Umwelt und Klima auch für künftige Generationen schädigt. Unsere begrenzten Bodenressourcen werden verbraucht, wertvolles Kulturland wird zersiedelt und Österreichs auch tourismuswirtschaftlich bedeutsame Landschaft in Mitleidenschaft gezogen. Dieser „Luxus“ geht nicht nur indirekt auf Kosten der Gesamtbevölkerung, auch ganz unnmittelbar kommen alle heimischen Steuerzahler für die Mehrkosten dieser Siedlungsstruktur auf: für Straßenerschließung, Wasserversorgung und Kanalisation ebenso wie für die soziale Versorgung (Kindergarten- und Schulbus, Essen auf Rädern, mobile Pflegedienste etc.), die umgekehrt proportional zur Siedlungsdichte steigen. Das Prinzip der Kostenwahrheit den siedlungs- und verkehrsrelevanten Steuern und Abgaben zugrunde zu legen und diese nach dem Verursacherprinzip zu berechnen, wäre ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigeren Siedlungsstruktur und würde zudem die öffentlichen Haushalte massiv entlasten.

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